Das Massnahmenportfolio zugunsten der nachhaltigen Entwicklung kurz erklärt

Das Massnahmenportfolio zugunsten der nachhaltigen Entwicklung ist ein Werkzeugkasten, der sich an Freiburger Gemeinden und lokale Vereinigungen richtet und Initiativen zugunsten der Nachhaltigkeit fördern und deren Umsetzung erleichtern will. Es ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Freiburger Gemeindeverband (FGV) und dem Staat Freiburg.

Im Jahr 2013 wurde die erste Ausgabe des Massnahmenportfolios veröffentlicht. Zahlreiche Gemeinden des Kantons liessen sich vom Portfolio inspirieren, lancierten neue Projekte und verstärkten ihr Engagement für die nachhaltige Entwicklung. Für die neue Ausgabe wurde das Portfolio vollständig überarbeitet und hat nun zudem die Form einer Website. Das Ziel bleibt jedoch unverändert und besteht darin, den Freiburger Gemeinden und lokalen Vereinigungen einen Werkzeugkasten mit konkreten Beispielen an die Hand zu geben, das sie befähigt, ihre Projekte zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu stärken und zu diversifizieren.

Das Portfolio ist in 17 Themenbereiche unterteilt, die den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 der UNO entsprechen. Die Wahl dieses universellen Bezugsrahmens ermöglicht es, die Aktionen der Freiburger Gemeinden und lokalen Vereinigungen in die weltweiten Bemühungen für eine bessere Welt einzubetten.

Jede Gemeinde oder lokale Vereinigung, ob gross oder klein, wird im Portfolio für jeden Ressort Massnahmen finden, die ihren Orientierungen, Wünschen und Ressourcen entsprechen.

Agenda 2030: eine globale Roadmap zur Nachhaltigkeit

Am 25. September 2015 haben die 193 Mitgliedsstaaten der UNO nach langen Verhandlungen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Sie umfasst 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und 169 Zielvorgaben (Unterziele) für das Jahr 2030:

17 Ziele, die die wichtigsten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen von heute abdecken, zum Beispiel die Verringerung von Ungleichheiten (SDG 10), die Erhaltung der Biodiversität (SDG 15) oder die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze (SDG 8). 17 Ziele oder 169 Zielvorgaben, das mag auf den ersten Blick viel erscheinen. Bei genauerer Betrachtung muss diese Zahl jedoch als eher bescheiden bezeichnet werden, war dies doch, wie bereits erwähnt, das Resultat eines weltweiten partizipativen Prozesses mit Tausenden Personen.

17 Ziele, die 193 Nationen teilen, die jedoch in Abhängigkeit von den Besonderheiten vor Ort unterschiedlich umgesetzt werden. Während beispielsweise gewisse Länder für das SDG 2 «Den Hunger beenden» Massnahmen gegen das Verfaulen der Kulturen oder gegen Hungersnöte treffen, wird die Schweiz den Schwerpunkt eher auf die Verringerung der Lebensmittelverschwendung legen. In ähnlicher Weise sind Städte und Gemeinden von bestimmten Themen der Agenda 2030 direkter betroffen; dies gilt namentlich für die Erhaltung der biologischen Vielfalt oder der guten Versorgung mit grundlegenden Dienstleistungen (Abfallbewirtschaftung, Bildung, Wasser, Elektrizität usw.).

17 Ziele, die alle betreffen und alle vereinen – die Behörden auf allen institutionellen Ebenen, die akademische Welt, die Unternehmen und die Zivilgesellschaft – und die dafür sorgen, dass Initiativen auf lokaler Ebene Teil der weltweiten Bemühungen sind.

17 Ziele, die sich gegenseitig bedingen. Entsprechend müssen alle Ziele mit derselben Kraft und unter Berücksichtigung ihrer Interdependenzen angegangen werden; denn keines der Ziele bleibt von den anderen vollständig unberührt. So kann die verstärkte Nutzung einheimischer erneuerbarer Energien im Rahmen des Labels Energiestadt ein Katalysator für Innovation und für die Gründung von Unternehmen sein. Die Verringerung der Prekarität reduziert das Risiko psychischer Erkrankungen, was sich positiv auf den sozialen Zusammenhalt und das Wohlergehen von Familien auswirkt. Aktionen wie der Frühjahrsputz, der den Kampf gegen das Littering zum Ziel hat, fördern gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt. Eine kohärente Raumentwicklung dank Qualitätsverdichtung, die mit der Schaffung nachhaltiger Quartiere verwirklicht wird, fördert die sozialen Beziehungen und stärkt die Solidarität zwischen den Generationen – ein brennendes Thema angesichts der Alterung der Bevölkerung. Und eine Gemeinde, die eine gesunde Ernährung für ihre Bevölkerung fördern möchte, kann bei dieser Gelegenheit auch den Konsum von saisonalem, in der Region angebautem Obst und Gemüse unterstützen. Kurzum: Bei der Agenda 2030 müssen 17 Themenbereiche im Auge behalten werden.

Nachhaltige Entwicklung und Klima: ein und derselbe Kampf?

Nachhaltige Entwicklung ist ein weit gefasstes Konzept, das versucht, die Befriedigung von Grundbedürfnissen und das Streben nach einem besseren Leben mit den regenerativen Fähigkeit der Erde in Einklang zu bringen. Das Ziel lautet mit anderen Worten: eine wirtschaftliche Entwicklung zu erreichen, die allen gleichermassen zugutekommt und eine Quelle des sozialen Zusammenhalts ist, während gleichzeitig die Umwelt geschont wird.

Der Klimaschutz konzentriert sich, wie der Name sagt, auf die Klimafrage und somit auf einen Teilaspekt des Themas der Umwelt, das selbst eine der drei Säulen der nachhaltigen Entwicklung ist. Der Klimaschutz ist unerlässlich für eine nachhaltige Entwicklung, aber nicht ausreichend. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist ebenso wichtig, zum Beispiel durch die Verringerung des Einsatzes von Chemikalien.

So ist der Klimaschutz ein Element der Agenda 2030 und Gegenstand des SDG 13. Nachhaltige Entwicklung bedeutet, die 17 Ziele der Agenda 2030 miteinander in Einklang zu bringen.

Leitfaden des Vereins Coord21 für eine lokale Umsetzung der Agenda 2030

Der Verein Coord21 vereint Westschweizer und Tessiner Kantone, Gemeinden und Institutionen, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen. Der Kanton Freiburg ist Mitglied des Vereinsvorstands von Coord21, genauso wie die Stadt Freiburg. Das Ziel des Vereins: die Massnahmen und Projekte zugunsten der nachhaltigen Entwicklung auf der Ebene der lokalen Behörden fördern und zur Geltung bringen.

An seiner Generalversammlung vom 10. März 2020 präsentierte Coord21 seinen praktischen Leitfaden für die lokale Implementierung der Agenda 2030 in den Gemeinden und Kantonen. Im Leitfaden finden die Kantone und Gemeinden zahlreiche gute Praktiken, die es ihnen ermöglichen, ihre Nachhaltigkeitsansätze mit den Zielen und Vorgaben der Agenda 2030 zu verknüpfen. Auch sollen mit diesem Dokument das Verständnis und die lokale Umsetzung der SDGs erleichtert werden.

Der Leitfaden umfasst 10 Hauptthemen, die von der Gesundheit über natürliche Ressourcen bis hin zu den Wirtschafts- und Finanzsystemen reichen, und weist den Weg für die Förderung der SDGs auf lokaler Ebene. Mit diesem Instrument will der Verein Coord21 die Kohärenz zwischen den Ansätzen der Kantone und Gemeinden der Westschweiz und des Tessins im Bereich der nachhaltigen Entwicklung fördern.

Der Leitfaden von Coord21 ist eine perfekte Ergänzung zum Massnahmenportfolio zugunsten der nachhaltigen Entwicklung für die Freiburger Gemeinden, das konkrete Beispiele für ausgewogene Aktionen in Bezug auf Umweltverantwortung, wirtschaftliche Effizienz und soziale Solidarität umfasst.

Danksagung

Die Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion und der Freiburger Gemeindeverband danken den Mitgliedern der Arbeitsgruppe und allen Redakteurinnen und Redakteuren für ihre wertvolle Mitarbeit.

Ein herzlicher Dank geht auch an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des partizipativen Workshops für ihren Input und für ihre Hilfe bei der Entwicklung einer Website, die die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer möglichst genau abdeckt, sowie an die Sektion Nachhaltige Entwicklung des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) für ihre finanzielle Unterstützung.

Arbeitsgruppe

Staat Freiburg

Christoph Aebischer – Wirtschaftsförderung,VWD
Amélie Dupraz-Ardiot – Generalsekretariat – Nachhaltige Entwicklung, RUBD
Benoît Gisler –  Amt für Sport, EKSD
Alexandre Grandjean  – Generalsekretariat, GSD
Giuseppina Greco  – Generalsekretariat – Fachstelle für die Integration der MigrantInnen und für Rassismusprävention, SJD
Gérald Mutrux – Amt für Gemeinden, ILFD
Sara Valsangiacomo – Generalsekretariat – Nachhaltige Entwicklung (RUBD)

Freiburger Gemeindeverband

Micheline Guerry-Berchier – Generalsekretärin der FGV